Vor kurzem ging es hier um die Lage freier Filmemacher. Bei der Lektüre des Buchs „Die schöne Kunst des Schreibens“ von Ernst Jandl stieß ich nun auf einen Gedanken, der für Film- wie Schriftschaffende gleichermaßen gelten könnte. Jandl vertritt in einem „Zur Problematik des freien Schriftstellers“ genannten Vortrag (gehalten vor Mitgliedern der „Grazer Autorenversammlung“ im August 1973) die These, „dass ich mir die Tätigkeit (des Schreibens) von Anfang an nur neben einer anderen vorstellen konnte, neben einem Beruf, mit dem ich mir mein Geld verdiente. Es gab gar nicht den Gedanken daran, dass etwa dieses Schreiben von Gedichten ein Beruf sein konnte, also eine Tätigkeit, mit der man sich den Lebensunterhalt verdiente.“
Im weiteren Verlauf seines Vortrags unterstreicht Ernst Jandl seinen Ansatz mit einem Zitat von Walter Jens, der ebenfalls dafür plädiert, der Schriftsteller, solle neben dem Schreiben einen Beruf haben,„ und zwar einen möglichst praktischen, eine, der der Schreibtischarbeit nicht zu ähnlich ist (wie Lektor oder Journalist), sondern in ganze andere Bereiche führt: Lehrer oder Arzt, Schuster oder Richter“. Dies führe dazu, so Jens weiter, dass der Schriftsteller ohne Druck schreiben könne: „die Kunst gewinnt den Rang des Spielens wieder, sie verliert den Charakter des grimmigen Ernstes. Nur der ,freie’ Schrifsteller muss vor jeder schlechten Kritik zittern, um zugleich jede gute maßlos zu überschätzen.“
Dass ein Beruf nebem dem Schreiben nicht zu Amateurhaftem Schreiben führen muss, deutet Jandl mit einer rhetorischen Frage an, die er aus einem Buch von Getraud Linz zitiert. Diese fragt dort: „Waren Goethe, Kafka, Benn hauptberuflich Minister, Versicherungsangestellter, Arzt, oder waren sie Schriftsteller?“ Auch will Jandl die Einschränkung des Schreibens durch einen Brot-Job nicht als Herabwürdigung verstehen. Er schreibt: „Freilich tat man, wenn man schrieb, etwas sehr Wichtiges, wichtig für einen selbst, aber man tat es doch mit einem gewissen Gefühl von Leichtigkeit, denn es hing ja nichts davon ab, nicht mehr jedenfalls als die eigene Stimmung, Hochgefühl oder Niedergeschlagenheit. Und diese, die Stimmung, konnte man jeweils auch mit anderen Mitteln regulieren.“
Bei der Filmfrage schrieb Duke:„Man muss seine Filme einfach machen und Abstand nehmen davon leben zu wollen. Denn dafür soll und ist ein Film viel zu persönlich, und wirkliche Kompromisse will keiner eingehen. Außer man will damit Geld verdienen.“
Irgendwie hat mich Jandl da an Duke erinnert. Oder umgekehrt.