50 : 50

von sobchak am 30.06.06 um 12:35

“Argentinien ist, wie Deutschland, eine große Mannschaft. Eine Macht. Große Mannschaften sind wie Tresore, man kann sie auf viele Weisen öffnen. Es gibt Tresore, die unverletzbar erscheinen, bis jemand auftaucht, der sie mit seinem Talent, seiner Weisheit aufmacht. Argentinien ist eine Mannschaft, die an einem inspirierten Tag jedem Gegner Probleme bereitet. Aber Deutschland weiß das. Es ist ein Spiel, bei dem die Möglichkeiten fünfzig zu fünfzig stehen.”

César Menotti im SZ-Interview mit der Aussicht auf den heutigen Abend: das Knacken eines Tresors kann auch ein durchlangweiliger unansehlicher Prozess sein. Hoffentlich wird besser!

Am Meer malen

von sobchak am 29.06.06 um 12:39

Pressemitteilungen für gute Laune. Heute Post aus Usedom, Einladung zur Aktion “7 malen am Meer”

Ein Leben lang: dieselbe Unterhose an!

von sobchak am 27.06.06 um 11:25

Gerade wenn man etwas vermatscht und krank daheim sitzt, braucht man Aufheiterung. In Zeiten der WM dabei kann diese natürlich durch tolle Tore (Abstimmen, Freunde!) kommen (wie doof ist eigentlich die Schweiz?), lustiger hingegen sind jedoch Schlachtgesänge. Mein derzeitiger Favorit: das gegrölte "Ein Leben lang, dieselbe Unterhose an", das man im absolut zu lobenden, weil sehr lustigen Podcast Zeigler wunderbare Welt des Fußballs hören kann - und zwar hier (MP3-Direktdownload).

Ebenfalls zum direkten Download stellt das deutsche Indie-Mittelfeld auf der Webseite Fussball ist immer noch wichtig den gleichnamigen Song zur Verfügung: Fettes Brot, Kettcars Marcus Wiebusch, Musik-Doktor Bela B und Superpunk Carsten Friedrich singen dort gemeinsam: "Wir glauben an den Fußball" - und distanzieren sich extrem konfrontativ von "Funktionären, Sponsoren und Milliardären". Nett, aber nicht so schön wie die lebenslange Unterhose (s.o.).

Wir is immer der VfL Bochum

von sobchak am 26.06.06 um 20:00

Was für ein Tag! Der Bär ist tot - und damit auch der Aufschwung (zum Ausgleich hier wunderbare Tierfotografie). Australien wird Weltmeister der Herzen und das hier muss noch irgendwer lesen: Nach Newsweek und dem
Economist entdeckt jetzt auch die
Financial Times Deutschland das Phänomen Web 2.0. Die BBC ist schon über die Entdecker-Phase hinaus und lässt die Editors bloggen. Das ist nicht die gleichnamige Band, das sind die Menschen, die dort arbeiten.

Zum Ausgleich für alle traurigen Australier und überhaupt: Frank Goosen in der taz mit dem wunderbaren Satz: “Wir is immer der VfL Bochum”. Der - und das ist die gute Nachricht des Tages - kommt wieder. Am 11. August zum ersten Spiel der neuen Saison in der ERSTEN Liga gegen Mainz.

Das schönste Tor der WM-Vorrunde

von sobchak am 25.06.06 um 19:29

Ich habe es ja schon erwähnt: bei YouTube findet man alle Tore der WM. Das ist nicht nur schön, sondern auch eine tolle Möglichkeit, am Meer das schönste Tor der WM zu wählen.

Ich habe hier die - meiner Meinung nach - schönsten Tore der Vorrunde zusammengestellt. Bitte zur Stimmabgabe den Buchstaben des besten Tores in den Kommentaren notieren. Der gleiche Modus gilt natürlich auch für die Abstimmungen in der Zwischenrunde (wo wir dann auch über Maxi Rodriguez’ super Tor gegen Mexiko abstimmen). Jetzt aber zum schönsten Tor der Vorrunde:

A Deutschland – Costa Rica (Lahm)
Keine sechs Minuten ist die WM alt, da zieht Lahm an der Strafraumgrenze nach Innen und zirkelt den Ball in den Winkel.

B Deutschland – Costa Rica (Frings)
Zweite Halbzeit, Torsten Frings zieht aus dreißig Metern ab.

C Brasilien – Australien (Ronaldo)
Der Wasserbüffel ist zurück: Ronaldos 1:0 beim 2:0-Sieg Brasiliens über Australien.

D Deutschland – Ecuador (Klose)
Ballack spielt Klose zum 2:0 gegen Ecuador an.

E Portugal – Iran (Deco)
Portugals Deco hämmert das 1:0 gegen den Iran ins Netz.

F Kroatien – Australien (Snra)
Letztes Spiel in der Brasilien-Gruppe. Freistoß Kroatien zum zwischenzeitlichen 1:0 beim 2:2 gegen Australien.

G Italien - Ghana (Pirlo)
Ghana kriegt den Ball nicht raus, Pirlo fängt ihn auf der linke italienischen Angriffsseite ab und zieht drauf: die 1:0-Führung beim italienischen 2:0-Sieg.

H Deutschland - Polen (Neuville)
In der Sekunde als die Nachspielzeit eingeblendet wird (3 Minuten) läuft sich Einwechselspieler Odonkor auf der rechten deutschen Angriffsseite bis zur Grundlinie durch, flankt nach innen, trifft Neuville und der das Tor.

I Argentinien - Serbien&Montenegro (Cambiasso)
Fußball ist ein Mannschaftssport. 25 argentinische Ballkontakte ohne gegnerische Ballberührung bevor Esteban Cambiasso das zweite von sechs argentinischen Toren markiert.

J Australien - Japan (Cahill)
Über 80 Minuten sah es so aus, als würde Australien auch seine zweite Weltmeisterschaft sieglos beginnen. Doch innerhalb weniger Minuten drehte die Mannschaft das Spiel und siegte 3:1. Das 2:1 erzielte - zwei Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit - Cahill.

K England - Schweden (Joe Cole)
Why not? fragt der Reporter als Joe Cole den Ball mit der Brust stoppt und abzieht: 1:0 für England im letzten Gruppenspiel gegen Schweden.

L Ecuador - Costa Rica (Kaviedes)
In Deutschland hat den Mann mit der Maske kaum jemand gesehen, weil an dem Tag alle auf Tor H schauten. Doch Kaviedes Treffer gegen Costa Rica war nicht nur schön vor-, sondern auch gut nachbereitet: er zog eine Maske aus der Hose.

M Spanien - Ukraine (Torres)
Auch Spanien kann kombinieren. Es steht bereits 3:0 im Auftaktspiel gegen die Ukraine als Fernando Torres und seine Kollegen diese Kombination zum 4:0 hinlegen.

Lesen

von sobchak am 24.06.06 um 15:48

Wenn man unzufrieden ist mit dem, was man beim Bachmannpreis lesen kann, kann man ja noch eine Menge mehr lesen. Zum Beispiel …

… ein Fußball-Spiel. Heute abend das der fantastischen argentinischen Nationalmannschaft.

… das, was der britische Telegraph Cyber Socialising nennt: die Tatsache nämlich, dass jeder zweite Büroangestellte angeblich mehr Arbeitszeit damit verbringt, mit Freunden zu mailen als zu arbeiten.

… wie das Wall Street Journal jungen Bewerbern rät, ihren Digital Dirt aus dem Netz zu schaffen, bevor sie sich bewerben.

… seine eigene IP-Adresse.

Des Meeres und der Liebe Wellen von Franz Grillparzer.

Tage der deutschsprachigen Literatur

von sobchak am 24.06.06 um 15:27

An diesem Wochenende wäre Ingeborg Bachmann (über die es auf jetzt.de heißt “i love ingeborg cos ihren zauber kann no philologie-onkel erklären”) 80 Jahre alt geworden. Aus diesem Grund findet auf 3sat, äh in Klagenfurt, das Wettlesen um den Bachmannpreis statt, der offiziell “Tage der deutschsprachigen Literatur” heißt und heuer (sic!) zum 30. Mal ausgelesen wird.

Während München wegen Fußball Kopf steht, kann man heute nachmittag als gewöhnlicher (spektakelimuner) Internet-Nutzer für den Publikumspreis abstimmen. Bis 20 Uhr ist das Online-Literatur-Wahllokal geöffnet. Ich habe mir die Mühe gemacht, mich durch die Texte der vorgeschlagenen Autoren zu kämpfen. Leider ist aber die Zusammenfassung der Jury-Meinung kurzweiliger als die Texte der Kandidaten - was übrigens durchaus eine Parallele zu Deutschland sucht den Superstar darstellt.

Offenbar als Favorit gilt Kathrin Passigs titelloser Text, den ich jetzt zweimal zu lesen begonnen habe. Denn immerhin schreibt Kathrin Passig für den - darf man sagen - “Gemeinschaftsblog” Riesenmaschine, der nicht nur gerade mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet worden , sondern auch lustig ist. Trotzdem bleibt mir der Text - um in Jurysprache zu urteilen - “verschlossen”. Wie ich als Bachmann-Preis-Gucker-Anfänger (habe mich da bisher nicht nur am Rande für interessiert) eh den Eindruck habe, die Schiedsrichter seien hier wichtiger als die Spieler.

Das wäre in Ordnung, wenn die Jury sich nicht an WM-Schiedsrichter Poll (der mit den drei gelben Karten) orientieren, sondern ihre Bewertungskriterien mal offenlegen würde. Denn das ist die für mich wirklich Überraschung meiner Bachmann-Preis-Beobachtung: hätte ich diese Texte hier auf einer gewöhnlichen Blog-Seite entdeckt, es hätte mich nicht verwundert. Liegt das an meinem geringen literarischen Urteils- und Unterscheidungsvermögen, ist mir einfach zu warm oder was ist da los?

Nachrichten mit Retro

von sobchak am 23.06.06 um 20:08

In dieser Woche wäre Billy Wilder 100 Jahre alt geworden. epd Film gratuliert lesenswert.

Ebenfalls schon fast 100 Jahre alt (jedenfalls gefühlt), sind die Sonderhefte des Fachmagazins Kickers, die jetzt als ePaper zugänglich sind. Ein großer Spaß.

Ganz und gar nicht alt ist dieses tolle Angebot hier: quikmaps.com zeichnet mit Hilfe von Google-Earth lustige Striche und Pfeile in deine Stadt.

Nie mehr einen guten Film verpassen: bei schnitt.de gibt es einen RSS-Feed mit Fernsehtipps.

Bloggen und Geld verdienen

von sobchak am 23.06.06 um 16:10

Es gibt noch Gerechtigkeit auf der Welt: Jürgen Habermas sieht seine Theorie vom "wechselseitigen Austausch von Argumenten auf der Basis hinreichender Information" im Internet realisiert, berichtet Spiegel Online und lässt anschließend über das "Mitmach-Web" abstimmen. Da ist tatsächlich gerade eine Menge in Bewegung: crispynews.com, die Readers Edition (Netzeitung), newsvine und das oben beschriebene digg.com machen Nachrichten mit und aus ihren Nutzern. Interessant ist daran einerseits die Masse an Angeboten, die gerade entstehen. Andererseits Art und Weise, wie Nutzer eingebunden werden.

Einen ganz anderen Weg geht nämlich das jetzt.de-Blogstipendium, von dem hier noch gar nicht die Rede war. Die Idee: fünf junge Blogger werden gefördert. Mit 300 Euro pro Monat. Wofür? Für das, was sie eh tun: fürs Bloggen. Warum jetzt.de das macht? Einerseits wollen wir die wirklich guten Blogs bekannter machen und auch finanziell fördern. Andererseits wollen wir Lesern, die selber nicht bloggen, einen Überblick über die interessantesten Blogs Deutschlands geben. Wir beginnen mit fünf ausgewählten Blogs, die wir zunächst für drei Monate fördern. Wenn das jetzt.de-Blogstipendium so gut funktioniert, wie wir es uns vorstellen, setzen wir es mit mehr Blogs fort.

Dein Schreibtisch wird 3D

von sobchak am 22.06.06 um 19:23

In dem sehr lesenswerten Buch Interface Culture hat Steven Johnson aufgezeigt, wie neue Technologien Kreativität und Kommunikation verändern. Er beschreibt, wie zum Beispiel die Metapher der "Fenster", die man auf einem "Schreibtisch" benutzt, unser Denken verändert hat. Quasi die Bebilderung zu dieser Idee gibt es hier. Ein Erklärfilmchen für den "BumpTop 3D Desktop Prototype", einen Computer-Schreibtisch, der realstisch und in 3D dargestellt ist. Einfach nur den Film angucken, zeigt, wie die Metapher des Schreibtischs sich schon in unsere Hirne gebrannt hat.