Nusschale auf dem Meer

von sobchak am 30.07.06 um 20:49

Statt Karten oder Lieder: Genau vor einem Jahr verschichte detail die SMS, mit der das Meer offiziell begann. Ein Jahr danach: eine Erinnerung und ein Ausblick


Wenn Sie vier gereimte oder ungereimte Gebilde, so genannte Gedichte, veröffentlicht haben oder eine Ziege naturnahe gezeichnet, erwarten Sie nicht, dass von nun an an Ihrem Geburtstag ein Oberbürgermeister bei Ihnen erscheint, schließlich betreiben ja auch Sie nur ein menschliches Werk. Erinnern Sie sich vielleicht lieber gelegentlich daran, dass man Schubert in seinem neunundzwanzigsten Lebensjahr nahe legte, sein Notenpapier ohne Linien zu kaufen und es selbst zu linieren, das fiele billiger aus
(…)
Die geistigen Dinge sind irreversibel, sie gehen den Weg weiter bis zu Ende, bis ans Ende der Nacht. Mit dem Rücken zur Wand, im Gram der Müdigkeiten, im Grau der Leere lesen Sie Hiob und Jeremias und halten aus. Formulieren Sie Ihre Thesen auf das rücksichtsloseste, denn Sie sind ur nach Maßgabe Ihrer Sätze vertreten, wenn die Epoche zur Rüste geht und dem Gesang ein Ende macht. Was Sie nicht aussprechen, ist nicht da. Sie machen sich Feinde, Sie werden allein sein, eine Nussschale auf dem Meer, eine Nussschale, aus der es klirrt mit fragwürdigen Lauten, klappert vor Kälte, zittert vor Ihren eigenen Schauern vor sich selber, aber geben Sie nicht SOS – erstens hört Sie keiner und zweitens wird Ihr Ende sanft sein nach soviel Fahrten.

Gottfried Benn: Altern als Problem für Künstler

Und hier doch noch ein kleines Geschenk: das wunderbare
Get Lonely vom neuen Album der Mountain Goates.

In Memoriam.

von ruby am 29.07.06 um 22:48

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Das war Carlo Giuliani. Ich hatte dieses Bild und die Bilder von seinem Sterben vor fünf Jahren gespeichert, weil ich damals so schockiert gewesen bin. Ich glaube, Spiegel Online hatte die Fotos veröffentlicht. Sie waren unglaublich grausam, man sah diesen jungen Mann umringt von vermummten Polizisten angeschossen auf dem Gehsteig einer Stadt mitten in Europa bluten. - Und dann rollte das Auto über ihn.

Ob Unfall oder Mord, ob Notwehr oder Absicht: Unsere Zivilisation ist mitunter entsetzlich brüchig.

2001

von sobchak am 29.07.06 um 13:11

An einem sommerlichen Freitag vor fünf Jahren verlässt ein damals 23jähriger Italiener seine WG am Stadtrand von Genua. Am Bahnhof Brignole trifft er sich mit Freunde. Gemeinsam fahren sie ins überfüllte Zentrum der Hafenstadt. "Die Stadt gleich an diesem Tag einer Festung", schreibt der Tagesspiegel in seinem Text zum Tod des Carlo Giuliani. Der Globalisierungskritiker starb am 20. Juli vor fünf Jahren bei den Protesten gegen den G8-Gipfel in Genua. Beim österreichischen Standard gibt es einen Schwerpunkt "Fünf Jahre nach Genua". Ansonsten scheint das Thema in den deutschsprachigen Medien kaum Beachtung gefunden zu haben

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Fünf Jahre ist es auch her, dass die Strokes ihr Album Is This It auf den Markt brachten. Der NME will das mit einer "special issue" feiern und ruft auf: "The album helped revitalise indie, changed fashion and has been hailed by a raft of musicians as an important influence, but we want to hear what it meant to you." Zum "Is This It"-Geburtstag gibt es hier vier Casio-Covers der so genannten The Diff’rent Strokes.

Am Meer Edition: Handbuch zum Erfolg

von pudelfreund am 28.07.06 um 22:56

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Ich bin spät dran mit meinem Wettbewerbsbeitrag. Ich gebe es zu. Jedoch: Die Ergebnisse sind wichtig, sonst nichts.

Wie erreichen wir, was wir wollen? Was ist der Schlüssel zum Erfolg? Antworten dazu liefert mein Lieblingsbuch „The Manual“, das leider ausverkauft ist und nur in einer geOCR-ten Version im Netz rumliegt. Ich habe mir die Mühe gemacht, euch den Text hübsch zusammenzupacken und gemeinsam mit einem kleinen Soundtrack zusammenzustellen.

Und darum geht’s: Wir schreiben das Jahr 1988. Als im Juni des Jahres die bis dahin unbekannte Gruppe The Timelords urplötzlich die UK-Charts stürmen, wird ein neues Zeitalter eingeläutet. Denn bis dahin war die Nummer 1 fest in den Händen der großen Musik-Labels. Ohne aufwändige Produktion, flächendeckende Distribution und intensive Kommunikation mit den Radiostationen und Clubs war es quasi unmöglich, von einer nennenswerten Anzahl britischer Musikkäufer wahrgenommen zu werden. Jimmy Caulty und Bill Drummond nehmen die Sache selbst in die Hand und schaffen das Unmögliche. Wenige Monate später veröffentlichen sie die faszinierende Dokumentation ihrer Erfolgsgeschichte als „Handbuch“.

Parallelen für einen ähnlich revolutionären Umbruch in der Musikbranche finden wir aktuell: Wir beobachten, dass im April 2006 Gnarls Barkley zum ersten Mal alleine durch verkaufte Downloads im Internet die Charts stürmen und schließlich 8 Wochen auf Platz 1 bleiben. Das Internet hilft auch Bands wie den Arctic  Monkeys oder Lily Allen, die über Web Communities wie MySpace.com eine enorme Popularität erreichen. Lily Allen führt seit zwei Wochen die UK-Charts mit ihrem Song „Smile“ an. Es wird wohl schon wieder Zeit, ein neues „Manual“ zu schreiben – nicht ohne das alte vorher zu lesen.

PDF oder leimgebundene Exemplare mit CD auf Anfrage. Ein Exemplar ist schon auf dem Weg nach München.

Alles nochmal

von sobchak am 28.07.06 um 19:13

Pixoh, eine Art Photoshop online und für umsonst, war schon mal Thema am Meer. Jetzt gibt es das ganze auch unter dem Namen Snipshot - und bei dem Youtube-Klon Jumpcut sogar für bewegte Bilder.

Ebenfalls schon mal da: die Cardigans-Frontfrau Nina Person - damals mit einem REM-Cover und als Schauspielerin. Jetzt mit einer Cover-Version der White Stripes bei stereogum.

Melti-Mudia

von sobchak am 27.07.06 um 19:59

Multimedia ist so ein multi-überall-Wort, dass ich gar nicht sagen will, wie multimedia es gerade bei jetzt.de zu geht. Tut’s aber. Nach dem WM-Finale mit dieser schönen Reportage und jetzt mit der britischen Band The Kooks auf allen Kanälen: im Interview mit Bildern und im Podcast und mit zwei exklusiven Songs.

Lustig

von sobchak am 26.07.06 um 09:20

Sascha Lobo von der bereits erwähnten zentralen und intelligenten Riesenmaschine macht eine Art Urlaubsvertretung für Felix Schwenzel in dessen Blog wirres.net. Das ist erstaunlich lustig - und zeigt zwei Dinge: die Vertretung ist besser als der Verreiste und die Riesenmaschine ist manchmal etwas zu langatmig und kompliziert.

Nachrichten mit Fragen

von sobchak am 25.07.06 um 19:10

a) Du interessierst dich für Film?

“Der Film ist durchgesetzt, er muss nirgendwo mehr um Anerkennung kämpfen. Wer heute über Film schreibt, kann deshalb nicht mehr vom Glanz einer a priori progressiven Haltung zehren. Er hat kein großes Projekt mehr, er hat das Klein-Klein filmkritischen Alltags. Nicht das Glück des Gipfels, sondern die Mühen der Ebene. Und wenn er Pech hat und die Augen nicht weit genug aufmacht, dann wird die Ebene zur Wüste, in der außer “Trennung mit Hindernissen”, “The Da Vinci Code” und “Poseidon” nichts gedeiht.”

Christa Nord in der taz über Film und Filmkritik.

b) Du willst wissen, wie Web 2.0 aussieht?
redesign famous logos in web 2.0 format!

c) Du magst den Zündfunk?
Am Freitag ist das Mehr Zündfunk-Festival in der Münchner Muffathalle.

d) Du hast einen Mac und willst eine kabellose Maus?
Dann schneid das Kabel an der neuen drahtlosen Mighty Mouse doch einfach ab.

Der Chefstyler

von sobchak am 25.07.06 um 18:00

Ein Haus abreißen, die Hütte in Brand stecken? Jan Delay macht das Klar - und damit einen wunderbaren Gute-Laune-Sommer-Song!

SZ 2.0

von sobchak am 24.07.06 um 12:24

“Bürger verlieren das Vertrauen in professionelle Kommunikation” - die Welt über Blogging und Web2.0.

“Blogger und Wikipedianer können Unternehmern als Vorbilder dienen” - Deutschlandfunk über Social Software.

“Die günstige Ausgangslage wollen offenbar nun die Eigentümer der Zeitung dazu nutzen, ihren Besitz zu versilbern.” Berliner Zeitung über den möglichen Verkauf der SZ.

“Als Interessenten an dem Münchener Medienunternehmen gelten in erster Linie die Essener WAZ-Gruppe und der Holtzbrinck-Konzern” - die Welt zum gleichen Thema.