Viele Befürworter eines strengen Copyrights kommen mir vor wie die alten Sowjets 1988: Sie merken nicht, dass die Revolution schon gekommen ist, und sie meinen, sie könnten diesen merkwürdigen komplizierten bürokratischen Komplex weiter ausbauen. Genauso ist das Copyright-System heute. Wenn wir alle neuen kreativen Ausdrucksmöglichkeiten unterbinden, werden die Jungen die Rechtslage einfach ignorieren. Wir müssen das Urheberrecht reformieren, sonst wird es übergangen. Ich möchte dieses System neu gestalten, damit es im digitalen Zeitalter überlebt, damit es auch in Zukunft die Anreize schafft, die es braucht, um Künstler hervorzubringen.
Der schon meerfach erwähnte Jura-Professor Lawrence Lessig spricht im Interview mit der Süddeutschen Zeitung (dank “Offensive” jetzt auch vollständig und sogar aufbereitet online zu lesen).
Mit diesem Zitat möchte ich auf die hier angestossene Debatte über den Wert und Nicht-Wert des Internets reagieren. Die Frage nach schichtabhängigen Zugängen zu Medien ist wichtig und muss thematisiert werden, sie ist aber völlig unabhängig vom Medium Internet. Sie gilt genauso auch für z.B. das Medium Tageszeitung. Dort vielleicht sogar noch stärker, da hier die Einstiegskosten noch höher sind. Insofern glaube ich, dass der Satz über die Digitale Ungleichheit auch analog Gültigkeit besitzt. Also etwa: Es zeigt sich, dass statushöhere Zeitungsleser aufgrund schichtspezifischer Wissens- und Bedeutungsschemata stärker von der Zeitung profitieren, weshalb in der Informations- und Wissensgesellschaft von einer Verfestigung sozialer Ungleichheiten auszugehen ist.”
Im Vergleich zu den Fragen, die Lessig aufwirft, kommt mir das wie eine Binse vor: Wo profitieren “statushöhere” Menschen nicht aufgrund ihrer “schichtspezifischen Wissens- und Bedeutungsschemata”? Das gilt doch für nahezu alle Bezugssysteme, Wissenschaft, Uni, ja sogar Kneipe.
Bei Lessig jedoch geht es um eine grundsätzliche Frage, die ihren Ursprung tatsächlich genuin im Internet hat. Ein neues Medium hat neue Fragen aufgeworfen. Wie ist darauf zu reagieren? Die Antworten, die man hier findet, bestimmen meiner Meinung nach den Wert des Internets.
P.S.: In Bezug auf die Lobo/Friebe-Frage hat pudelfreund meiner Meinung nach nicht nur die richtige, sondern dank des Bildes auch eine sehr lustige, gegeben.