Ich habe Frau Merkel gesagt, dass ich das für Quatsch halte

von sobchak am 30.12.06 um 20:48

In der heutigen taz schreibt taz-Gründer und Ex-Spiegel-Redakteur Tom Schimmeck über die “Angst am Dovenfleet”. Ein wenig schmeichelhafter Geburtstagstext zum 60. Jubiläum des Spiegel:

Wohin also des Weges, Herr Aust? Warum macht der Spiegel einen auf neoliberal?

“Ehrlich gesagt”, sagt Aust, “das ist so ein bisschen wie früher der Satz ,Geh doch nach drüben’. Neoliberal? Ich weiß gar nicht, was das eigentlich heißt. Realistisch zu sein, zwei und zwei zusammenzählen zu können? Was ist daran neoliberal?” Simpel gesagt: Wenn man den Schwachen ordentlich Druck macht und den Mächtigen devot den Bauch krault. Wenn man ständig Tsunamis publizistischer Aufgeregtheit auslöst, um eine bestimmte politische Agenda voranzutreiben. Das müsste Aust doch kapieren. Steckte er nicht bis zum Hals in der APO, war er nicht bei den wilden St. Pauli Nachrichten, bei Konkret, bei “Panorama”, bei Demos gegen alles und jeden?

Der Journalist ohne Eigenschaften

von sobchak am 27.12.06 um 22:14

Aber warum schreiben Sie nicht? Sie haben recht. Der künftige Dichter und Philosoph wird über das Laufbrett der Journalistik daher kommen! Ist Ihnen noch nicht aufgefallen, dass unsere Journalisten immer besser und unsere Dichter immer schlechter werden?

Robert Musil, Der Mann ohne Eigenschaften, Kapitel 121 „Die Aussprache“

Meery Christmas

von sobchak am 24.12.06 um 14:48

Frohes Fest - wünscht sobchak in der Christbaum-Kugel!

Die beste Musik für ein Meery Christmas kommt dieses Jahr ganz klar, von Sufjan Stevens (der übrigens auch aus Armenien stammt). Bei Each Note Secure, Red Blondehead oder a camera in the crowd kann man reinhören. Und hier kann man sie kaufen.

Re:Re: “Causa Internet” revisited

von sobchak am 22.12.06 um 14:19
Viele Befürworter eines strengen Copyrights kommen mir vor wie die alten Sowjets 1988: Sie merken nicht, dass die Revolution schon gekommen ist, und sie meinen, sie könnten diesen merkwürdigen komplizierten bürokratischen Komplex weiter ausbauen. Genauso ist das Copyright-System heute. Wenn wir alle neuen kreativen Ausdrucksmöglichkeiten unterbinden, werden die Jungen die Rechtslage einfach ignorieren. Wir müssen das Urheberrecht reformieren, sonst wird es übergangen. Ich möchte dieses System neu gestalten, damit es im digitalen Zeitalter überlebt, damit es auch in Zukunft die Anreize schafft, die es braucht, um Künstler hervorzubringen.

Der schon meerfach erwähnte Jura-Professor Lawrence Lessig spricht im Interview mit der Süddeutschen Zeitung (dank “Offensive” jetzt auch vollständig und sogar aufbereitet online zu lesen).

Mit diesem Zitat möchte ich auf die hier angestossene Debatte über den Wert und Nicht-Wert des Internets reagieren. Die Frage nach schichtabhängigen Zugängen zu Medien ist wichtig und muss thematisiert werden, sie ist aber völlig unabhängig vom Medium Internet. Sie gilt genauso auch für z.B. das Medium Tageszeitung. Dort vielleicht sogar noch stärker, da hier die Einstiegskosten noch höher sind. Insofern glaube ich, dass der Satz über die Digitale Ungleichheit auch analog Gültigkeit besitzt. Also etwa: Es zeigt sich, dass statushöhere Zeitungsleser aufgrund schichtspezifischer Wissens- und Bedeutungsschemata stärker von der Zeitung profitieren, weshalb in der Informations- und Wissensgesellschaft von einer Verfestigung sozialer Ungleichheiten auszugehen ist.”

Im Vergleich zu den Fragen, die Lessig aufwirft, kommt mir das wie eine Binse vor: Wo profitieren “statushöhere” Menschen nicht aufgrund ihrer “schichtspezifischen Wissens- und Bedeutungsschemata”? Das gilt doch für nahezu alle Bezugssysteme, Wissenschaft, Uni, ja sogar Kneipe.

Bei Lessig jedoch geht es um eine grundsätzliche Frage, die ihren Ursprung tatsächlich genuin im Internet hat. Ein neues Medium hat neue Fragen aufgeworfen. Wie ist darauf zu reagieren? Die Antworten, die man hier findet, bestimmen meiner Meinung nach den Wert des Internets.

P.S.: In Bezug auf die Lobo/Friebe-Frage hat pudelfreund meiner Meinung nach nicht nur die richtige, sondern dank des Bildes auch eine sehr lustige, gegeben.

Buena Vista Monkey Club

von sobchak am 22.12.06 um 12:06

Rhythms Del Mundo features collaborations between an all-star cast of Cuban muscians - including Ibrahim Ferrer and Omara Portuondo of the The Buena Vista Social Club™ - with the hottest UK/US Artists.

Wie das geht kann man sich in dem
Rhythms del Mundo genannten Erklärungsfilmchen anschauen. Wie das klingt, kann man in dieser tollen karibischen Version von “Dancing Shoes” der - Achtung wichtiger Nebensatz - Band des Jahres 2006 (= ARCTIC MONKEYS) anhören; nämlich hier.


via wongie’s music world

Re: Causa “Internet” revisited

von pudelfreund am 21.12.06 um 11:57

kindasucks.jpg

Friebe und Lobo erweitern mit Ihrer Beschreibung der "digitalen Selbstständigkeit" den Blickwinkel auf das, was man von seiner Erwerbstätigkeit erwarten sollte. Der Begriff "soziale Ungleichheit" hingegen konzentriert sich eher darauf, wieviel Geld man für seine Tätigkeit bekommt - und ob dieser Betrag "angemessen" ist. Friebes und Lobos These ist, dass ein glückliches Leben eher gelingt, wenn man seine Talente ausleben kann - auch, wenn die Entlohnung schlecht oder sogar sehr schlecht ist.

Natürlich hat dieser Vorschlag auch stark neoliberale Züge, da die Verantwortung für Wohl und Wehe der eigenen Strategie bei jedem Einzelnen liegt, und niemand für den Erfolg oder Mißerfolg zur Verantwortung gezogen werden kann. Sicherlich sind auch bestimmte Fähigkeiten erforderlich, um sich "erfolgreich selbst zu vermarkten". Hierzu liefert das Buch "Wir nennen es Arbeit" leider nur wenige Hinweise.

Causa “Internet” revisited

von Chateaubriand am 20.12.06 um 19:04

Wir haben uns bereits mehrfach über die gesellschaftliche Bedeutung des Internets ausgetauscht und diskutiert, ob diese optimistisch oder eher sosolala bzw. kritisch zu bewerten wäre. Über Friebes und Lobos riesenmaschiniges Loblied auf die digitale Selbstständigkeit (das wir u.a. hier diskutierten) ist nun in der aktuellen Konkret eine Besprechung von Tina Klopp erschienen, die den ganzen Hype materiell zu erden versucht und fragt, was das denn letztlich für die prekär lebenden MedienarbeiterInnen und ihre Arbeitsverhältnisse bedeuten würde.

Dabei stellt Klopp u.a. folgende Fragen: "Wie sollte das Web an der Benachteiligung großer Teile der Gesellschaft etwas ändern? Verschärft die voraussetzungsreiche Technik die sozialen Unterschiede nicht sogar?" Genau über dieses Thema hat die Soziologin Nicole Zillien promoviert - ihre Dissertation mit dem Titel Digitale Ungleichheit. Neue Technologien und alte Ungleichheiten in der Informations- und Wissensgesellschaft erschien jüngst im VS Verlag. Das Ergebnis lautet: "Es zeigt sich, dass statushöhere Onliner aufgrund schichtspezifischer Wissens- und Bedeutungsschemata stärker vom Internet profitieren, weshalb in der Informations- und Wissensgesellschaft von einer Verfestigung sozialer Ungleichheiten auszugehen ist." Unser Meer liegt dann wohl nicht am Strand von Malle… 

Das Jahr im Mixer

von sobchak am 15.12.06 um 15:59

Bei stereogum wird das musikalische Jahr (dessen Videos bei pitchfork zu sehen sind) in den Mixer geworfen - mit Mashup-Unterstuetzung von team9. Toll!

DEF MINI Records

von ruby am 15.12.06 um 14:10

So sieht Marketing im Internet heute auch aus: DEF MINI

David and the Citizens

von sobchak am 14.12.06 um 12:12

Mal eine Entdeckung aus der echten Welt: nicht im Netz, sondern im Dublin Castle - beim Konzert der wunderbaren Assembly now (Meer hier) - habe ich die schwedische Band David and the Citizens gehoert. Zunaechst sehr skeptisch, denn der Saenger heisst tatsaechlich David und es wirkte als habe er die Citizens nur zur Mehrung seines Ruhms dabei. Aber die Musik hat mich dann doch ueberzeugt. Anzuhoeren beim weltgroessten Bandvorspiel-Geraet MySpace - und demnaechst auch in Deutschland auf Tour (mit Auftritten im Magnet und Atomic).