Noch drei …
… dann sind wir bei 14.000
Drei Lieder zum Gesundwerden:
1. Everything Is Average Nowadays (Kaiser Chiefs) gefunden bei Muzak For Cybernetics
2. Everyday is like sunday (Morrissey) gefunden bei MOISTWORKS
3. I wanna be your JLO (CSS) gefunden bei
Ask Me About My Invisible Friends
hat nun also auch noch den Oscar gewonnen. Das ist wohl Anlass genug, um noch einmal ganz klar und deutlich zu sagen, dass es ein schlechter, anbiedernder Film ist, der keineswegs in irgendeiner Form vermeintlicher Ostalgie entgegen wirkt. Der Tenor ist vielmehr: "Wir mußten ja, wir konnten nicht anders, aber heimlich, still und leise haben wir ja doch gegen das Regime gekämpft so gut wie es eben ging." Das Problem dabei: Der Mann, der diese Argumentation liefert, ist ein knallharter Stasi-Offizier und er ist es freiwillig geworden. Und seine Wandlung vom Saulus zum Paulus ist eine äußerts unglaubwürdige, hollywoodeinschleimende Pathosnummer. Außerdem finde ich die einzige Frauenrolle, gespielt von Martina Gedeck, der karrieregeilen Schauspielerin, die sich erst Thomas-Gottschalkmäßig befummeln läßt und dann ihren Freund verpfeift, um weiter in den DDR-Mimenolymp aufzusteigen, und dafür letztlich mit dem Tod zahlt, äußerst problematisch. Wie gesagt: Ich mag diesen Film nicht. Ist das jetzt Mißssgunst? Sollte ich mich vielmehr für die deutsche Filmindustrie und die Münchner Filmhochschule, alle jungen, deutschen Nachwuchsfilmemacher freuen? Was wiegt schwerer, die schleimige Geschichtsklitterei eines Florian Henckel von Donnersmarck oder die ökonomischen Perspektiven bzw. Hoffnungen, die sich aus diesem Oscar speisen? Darf man an einem Spielfilm - im Gegensatz zu Literatur - vielleicht gar nicht mehr die Anforderung stellen, dass er versucht ein bisschen "Wahrheit" zu erzählen? Wirklich zu berühren und zu verstören? Wenn FvHD erzählt, er würde das universale und zeitlose Thema "Verlust der Privatsphäre" behandeln und deswegen sei sein Film so großartig, dann stimmt es zwar, dass Privatsphäre heute immer noch oder wieder ein wichtiges Thema ist, aber in seinem Film wird das meines Erachtens rein historisch behandelt, da ist nichts universal und zeitlos. Für mich das ist vielmehr ein Persilschein für alle Ossis, endgültig mit dem kapitalisitischen Westen ihren Frieden zu machen - und vice versa. Der endgültige künstlerische Beitrag zu Besiegelung der deutsch-deutschen Vereinigung und dafür sollte man einfach dankbar sein und die Klappe halten? Also wie gefragt: Darf man von einem Spielfilm mehr als das heutzutage vielleicht gar nicht erwarten? Sollte man angesichts der extremem ökonomischen Bürden, Verstrickungen und des ungemeinen Klüngel- und Karrieregeschicks, das man als Filmemacher aufweisen muß, um Erfolg zu haben, vielleicht am besten nur noch Dokumentarfilme machen bzw. als Zuschauer nur noch diese anschauen, wenn man wenigstens mit einem gewissen Mehrwert aus dem Kino gehen will? Entertainment ist auch okay, aber dann sollte man es nicht zu mehr als Entertainment verklären.
So sieht das wohl aus, was derzeit in Schwärmen durch mich hindurch marodiert.
Ich hoffe, dass Euch die Viren-Welle verschont. Bleibt gesund.
Ruby
Ein Recht auf Privatsphäre - auch und gerade digital - fordern die Piraten (Meer z.B. bei jetzt.de), eine neue politische Partei. Über die in Zukunft noch zu reden sein wird. Vorher - bis 12. März - kann man aber beim Bundestag aktiv für das Recht auf Privatsphäre eintreten - indem man die E-Petitionen unterzeichnet, die ein Verbot von Online-Durchsuchungen fordert: Durch das Einführen eines Gesetzes, welches erlaubt, Computer durch das Einsetzen von Programmen, unter anderem sogenannte "Trojaner", zu durchsuchen, wird die Privatsphäre bedroht. Die Petition ist nicht sonderlich griffig formuliert, dadurch aber nicht weniger richtig.

Alle Welt scheint ja ganz ordentlich scharf darauf zu sein, ein zweites Leben zu beginnen, virtuell, und dann z.B. auch in jung und hübsch. Oder an einem lebenswerteren Ort. Wenn das First Life nicht mehr befriedigend ist, kann man eine weitere von mittlerweile fast 4 Mio. Identitäten bei Second Life annehmen. Statt z.B. Suizid schon mal eine ganz gute Idee.
Doch wäre es nicht noch besser, im wirklichen Leben sein zweites Leben zu beginnen? Das dachte sich zumindest der junge und hübsche Surfer und First-Life-Teilnehmer Nicael aus dem lebenswerten Australien. Er verkaufte sein bisheriges Leben für 7.500$ auf ebay, um selbst eine neue Identität anzunehmen. Quasi ein Second Life in der First-Life-Welt, und das sowohl für Nicael als auch für den Käufer. Der vereinbarte Identitätswechsel umfasste auch eine 4-Wöchige Schulungsphase, während der alle engeren Freunde, acht aktuell laufende Dates sowie die Eltern vorgestellt werden sollten. Außerdem gibt es eine Surf- und Handstand-Ausbildung, das gesamt Eigentum und die Kenntnis über 6 Witze.
Heute abend in Luxemburg, morgen in München: The Album Leaf (hier Meer) sind auf Tour. Das ist toll, weil die Band von James LaValle live wirklich sehr gut ist. Beweis gefällig? Hier das Video von einem Konzert in Tokio anschauen. Außerdem: Bei bradley’s almanac gibt es Live-Aufnahmen aus Cambridge.
Außerdem hörenswert: bei wesaydisco.com gibt es Songs von der neuen Modest Mouse (hier Meer).
Und zu guter Letzt ein weiterer Ausgehtipp für München: Am 1. März kommt die Riesenmaschine (hier Meer) ins Münchner Literaturhaus. Wir bestimmt toll!
Manchmal, wenn sie ganz gut drauf sind (hier Meer) singen die Fans vom VfL Bochum davon, dass ihre Stadt den schönsten Strand der Welt habe. Das ist lustig, weil sie wissen, dass es nicht stimmt und dass auch der Originalgesang (die schönste Stadt der Welt) sehr sehr weit hergeholt ist. Dass Bochum aber bei einer weltweiten Abstimmung die Wertung der hässtlichsten Stadt zuteil wurde, haben die Fans sicher nicht verdient. Man hätte dabei einrechnen müssen: Bochum hat immerhin den schönsten Strand der Welt.
Heuer preist jetzt.de die Paris-Kreuzberg-Brooklyn-Brothers-Band Herman Dune sehr zu recht in einer Weise an, die Fans der Truppe voll indie-mässig fürchten lässt: "mist, jetzt kennt sie bald jeder." Das werden wir ja sehen!
Ich erlebte sie hier in Brüssel glücklicherweise im völlig unbeheizten und schliesslich doch kollektiv erwärmten Théâtre Molière; wer auf den Geschmack kommen will, findet auf der Homepage der Band über Media->Video das ebenselbige zu "Not On Top (2005)" mit der flauschigsten rotwuscheligen kanadischen Gitarristin aller Zeiten. "My Friends Kill my Folks" liefert nette Impressionen aus der Brooklyn-Zeit, seufz!
“It’s ironic, because Germany is one of the countries in Europe where people talk the most about privacy. In terms of consciousness of privacy in general, I would put Germany at the extreme end.”
Doppelt ironisch ist, dass dieser Satz nicht in einer deutschen Zeitung zu lesen ist, sondern in der New York Times, die über die deutschen (und europäischen) Pläne zur so genannten Vorratsdatenspeicherung schreibt. “Diese verpflichtet Telekommunikationsanbieter zur sechs- bis 24-monatigen Aufzeichnung der elektronischen Spuren der rund 450 Millionen EU-Bürger”, erklärte heise online schon Anfang 2006. Faktisch also zur Überwachung. Davon hält Peter Fleischer von Google nicht sonderlich viel - und sagt es der New York Times (Zitat siehe oben).
Ebenfalls aus New York - nämlich aus dem dortigen New York Magazine - kommt das folgende Zitat:
The lessons seem obvious: Don’t do Web video if you don’t have anything interesting to show, and don’t compete with TV unless you can do something they can’t or won’t. In other words, use the medium.
Es stammt aus einem Text names “Print Media Makes Its Transition to the Web-Video Age” und beschreibt, wie Zeitungen, das Web nutzen lernen. Ein ganz schönes Beispiel dafür gibt es seit wenigen Tagen auch in Deutschland: Holtzbrinck hat WatchBerlin gestartet. Ein Portal für kurze Clips aus der Hauptstadt - mit Oliver Gehrs, Michel Friedmann und weiteren Berlinern vor der Kamera.